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Gerechtigkeit

Autorenbild: designintention.ch
designintention.ch
10. Okt.
5 Min. Lesezeit
gerechtigkeit kinesiologie

Von der Illusion der Gerechtigkeit zur Freiheit der Gleichwertigkeit

Wenn wir die Nachrichten aufschlagen oder Wirtschaftsanalysen lesen, stossen wir rasch auf Zahlen, die ein starkes Gefühl des Unbehagens auslösen: Das reichste eine Prozent der Weltbevölkerung besitzt nahezu die Hälfte des weltweiten Vermögens, während die untere Hälfte der Menschheit mit weniger als zwei Prozent auskommen muss.


Der Verstand reagiert auf solche Verhältnisse augenblicklich. Ein Impuls meldet sich lautstark: „Das ist zutiefst ungerecht!“


Doch was passiert da eigentlich in uns? Und warum lässt uns das Einfordern von Gerechtigkeit (auch in anderen Situation) oft ratlos, wütend oder ohnmächtig zurück?


Der Trigger als Wegweiser

Aus einer therapeutischen Perspektive ist das Gefühl von Unrecht im Aussen vor allem eines: ein Trigger.


Wenn uns die Schieflage der Welt empört, berührt sie eine Resonanz in unserem Inneren. Ein Trigger ist jedoch kein Aufruf, im Widerstand zu verharren oder sich in der Opferrolle einzurichten. Er ist eine Einladung, genauer hinzusehen.


Solange wir uns über die Ungerechtigkeit der Welt beklagen, gebunden in der Schwingung des Mangels oder der Wut, bleiben wir in genau der Energie gefangen, die wir bekämpfen. Verändern wir dagegen unsere innere Resonanz – erforschen wir, welcher wunde Punkt in uns nach Ausgleich ruft –, gewinnen wir unsere echte Handlungsfähigkeit und innere Freiheit zurück.


Das Meisterstück des Nicht-Widerstands: „Ist das so?“

Eckhart Tolle erzählt in seinen Werken gerne die Geschichte des Zen-Meisters Hakuin.


Als eine junge Frau im Dorf unehelich schwanger wurde, beschuldigte sie unter Druck den Meister, der Vater ihres Kindes zu sein. Die Dorfbewohner fielen voller Empörung über Hakuin her, sein Ruf war ruiniert und niemand kam mehr zu seinen Unterweisungen. Hakuins einzige Reaktion auf die Beschuldigung war ein gelassenes: „Ist das so?“


Er nahm das neugeborene Kind ohne Groll auf und sorgte für es. Ein Jahr später hielt die Mutter ihren Gewissensbissen nicht mehr stand. Sie gestand den Eltern die Wahrheit: Ein junger Mann vom Markt war der Vater. Beschämt baten die Eltern Hakuin um Verzeihung und forderten das Kind zurück. Seine Antwort war wieder dieselbe: „Ist das so?“ Er gab das Kind ruhig zurück.


Hakuin leistete keinen Widerstand gegen das Schein-Unrecht im Aussen. Er verwechselte die äussere Form nicht mit seiner inneren Wahrheit. Er kämpfte nicht gegen das Phantom einer „Ungerechtigkeit“, sondern blieb vollkommen in der Präsenz.


Die Parabel vom Weinberg: Buchhalter-Gerechtigkeit vs. Barmherzigkeit

Diese Aufhebung der menschlichen Verstandslogik begegnet uns auch im bekannten biblischen Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20).


Ein Weinbergbesitzer stellt morgens um sechs Uhr Arbeiter ein und vereinbart mit ihnen einen Denar als Tageslohn. Im Laufe des Tages – um neun, um zwölf, um drei und schliesslich noch um fünf Uhr nachmittags – stellt er weitere Arbeiter ein. Als am Abend der Lohn ausbezahlt wird, erhalten alle exakt denselben Betrag: einen Denar.


Diejenigen, die den ganzen Tag geschuftet hatten, murrten lautstark. Aus der Perspektive menschlicher Verteilungsgerechtigkeit hatten sie absolut recht: Wer mehr arbeitet, muss auch mehr bekommen! Doch der Hausherr antwortet sinngemäss: „Liegt es nicht an mir, gut zu sein? Fühlt ihr euch benachteiligt, nur weil ich allen dieselbe Fülle schenke?“


Das Gleichnis entlarvt unsere verstandesgemässe „Buchhalter-Gerechtigkeit“. Der Verstand vergleicht, misst ab und rechnet auf. Die höhere Perspektive kümmert sich jedoch nicht um menschliche Tabellen, sondern schenkt jedem Wesen bedingungslos denselben vollen Wert.


Gleichwertigkeit bedingt keine Gleichheit

Der menschliche Verstand setzt Gerechtigkeit oft mit Gleichheit gleich. Alles soll möglichst gleich verteilt sein, alle sollen dieselben Bedingungen haben. Doch die Natur und das Leben entfalten sich naturgemäss in Polaritäten: Licht und Schatten, Fülle und Mangel, Kommen und Gehen.


Reinkarnation und das Spiel der Pole dienen dem Bewusstsein dazu, Erfahrungen zu sammeln. Niemand ist dauerhaft arm oder reich, Opfer oder Täter. Wir erforschen und spielen lediglich mit beiden Polen.


Das Grundwesen – unsere Seele – handelt, erfährt die Konsequenz, resümiert darüber und optimiert sich. Wir befinden uns alle im selben zeitlosen Lern- und Entwicklungsprozess. Und genau aus dieser Erkenntnis erwächst eine tiefe Gleichwertigkeit. Gleichwertigkeit bedeutet nicht, dass alle dasselbe besitzen oder tun, sondern dass jedes Wesen denselben unantastbaren Wert im grossen Ganzen besitzt.


Warum uns die Bewertung überfordert

Wenn wir von der Welt „Gerechtigkeit“ verlangen, überschätzen wir oft unsere menschliche Perspektive. Uns fehlt schlichtweg der Weitblick. Wir sehen nur einen winzigen Ausschnitt eines riesigen Geflechts aus Ursache, Wirkung, Karma und Resonanz über viele Lebensspannen hinweg.


Es ist nicht die Aufgabe des menschlichen Egos, Richtersprüche über den Kosmos zu fällen oder den Weltenrichter zu spielen. Für den energetischen Ausgleich sorgen Karma und das Resonanzgesetz von ganz alleine – präzise, unbestechlich und universell.


Der Einwand: „Wenn das alle tun, ändert sich doch nie etwas!“

An dieser Stelle meldet sich oft ein verständliches Bedenken: „Wenn wir die Ungerechtigkeit einfach annehmen und an unserem inneren Zustand arbeiten – schauen wir dann nicht weg? Wird die Welt dadurch nicht erst recht sich selbst überlassen? Wie soll sich dann je etwas verbessern?“


Dieser Einwand beruht auf einem Missverständnis darüber, was Annahme wirklich bedeutet.


Annahme ist nicht gleichbedeutend mit Tatenlosigkeit, Gleichgültigkeit oder dem Gutheissen von Missständen. Es geht nicht darum, die Augen vor der Welt zu verschliessen oder Ungerechtigkeit klaglos hinzunehmen. Der Unterschied liegt in der Quelle unseres Handelns:


  • Handeln aus Groll und Widerstand: Wenn wir aus Wut und Empörung re-agieren, sind wir energetisch an das gebunden, wogegen wir kämpfen. Groll raubt uns enorme Mengen an Lebensenergie, verengt den Blick und führt oft nur zu Gegenwehr und neuer Spaltung. Aus der Ebene des Kampfes heraus entstehen selten nachhaltig neue Wege – meist erschaffen wir nur neue Formen derselben Polarität.


  • Handeln aus der Annahme: Wenn wir den gegenwärtigen Zustand zuerst so annehmen, wie er im Hier und Jetzt nun einmal ist, stoppen wir den inneren Widerstand. Erst aus dieser Ruhe und Klarheit heraus gewinnen wir den Weitblick zurück. Wir handhaben die Situation nicht mehr als Opfer, sondern als gestaltende Kraft.



Veränderung geschieht nicht trotz der Annahme, sondern durch sie. Wer das Bestehende zuerst ohne Urteil anerkennen kann, hört auf, seine Energie im Kampf gegen die Realität zu vergeuden – und hat genau diese Kraft frei, um schöpferisch, besonnen und wirksam neue Lösungen in die Welt zu bringen.


Das Fazit: Ein Wechsel der Ebene

Solange wir im Aussen nach einer verstandesgemässen Gerechtigkeit suchen, kämpfen wir gegen die Windmühlen der Polarität. Echten inneren Frieden finden wir erst, wenn wir den Blick nach innen richten:


  1. Den Trigger nutzen: Das Gefühl von Ungerechtigkeit als Spiegel für die eigene Resonanz annehmen.


  2. Den Widerstand aufgeben: Wie der Zen-Meister das annehmen, was im Moment ist.


  3. Gleichwertigkeit erkennen: Wisse, dass jedes Wesen auf seiner Reise durch die Pole von unschätzbarem Wert ist.



Gerechtigkeit ist ein Konzept des Verstandes. Gleichwertigkeit ist eine Wahrheit des Seins.


Kennst du Themen oder Situationen, die dich immer wieder triggern?

Spürst du oft eine Wut oder Ohnmacht über äussere Umstände im Leben und möchtest deine eigene Resonanz verändern, um wieder in deine volle Kraft zu kommen? In meiner kinesiologischen Praxis begleite ich dich gerne dabei, alte Reaktionsmuster und energetische Blockaden sanft aufzulösen.



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